Dominik Peschke
Beratung, Coaching & Kommunikation

 

Völkerball als „legalisiertes Mobbing“Ballschaukel

 

Nachdenklich machte mich eine Veröffentlichung einer kanadischen Forschergruppe im Juni in diesem Jahr, dass Völkerball „legalisiertes Mobbing“ sei. Vorweg zum besseren Verständnis: es handelt sich um das Spiel Dodgeball; das Spiel Völkerball selbst ist „nur“ eine Variante davon.

Als Coach, der ich mich selbst regelmäßig mit diesem Thema beschäftigen muss, möchte ich mit meiner Meinung etwas ruhiger und ausgewogen dazu beitragen.

Die deutsche Medienlandschaft hat sich dazu ausgetobt. Wer diese noch nicht kennt hier zum besseren Verständnis vorab ein paar ausgesuchte Presseberichte zum Nachlesen und eigenen Nachdenken.
Führen Sie sich einfach einmal die Berichterstattung in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung (27.06.2019) https://www.sueddeutsche.de/bildung/voelkerball-mobbing-kanada-1.4501931 zu Gemüte. Ich finde den Artikel halbwegs ausgewogen.

Das englischsprachige Originalinterview mit  Prof. Joy Butler von der British Columbia University finden unter dem folgenden Link: https://edcp.educ.ubc.ca/research-at-edcp/interview-series/interview-dr-joy-butler/

Und anschließend die Stellungnahme des deutschen Sportlehrerverbands vom 04. Juli 2019:

https://www.dslv.de/2019/07/04/mobbing-durch-voelkerball/

Diese Stellungnahme finde ich interessant, spiegelt aber meine Erfahrungen meiner Schulzeit (Ende 80er und 90er Jahre) nicht wieder. Ich hoffe, dass diese Inhalte aber jetzt hoffentlich auch so im heutigen Sportunterricht praktiziert werden.

Ich habe im Kollegen sowie im Bekanntenkreis die Presseberichte diskutieren gehört. „Blödsinn“ und „Schwachsinn“ oder „haben die nichts sinnvolleres zum Forschen“ waren häufig gehörte Diskussionsbeiträge. Aber irgendwie wollte sich niemand damit ernsthaft auseinandersetzen. Wahrscheinlich trifft der zynische Satz „Neun von Zehn Personen finden Mobbing gut.“ durchaus in der Bevölkerung zu, man will es nur nicht zugeben.  

Denn nach welchen Kriterien werden denn die  Teilnehmer für ein Team ausgewählt? Soweit Lehrer den Schülern die Wahl für die Mannschaften lassen, kann hier ein Prozess ablaufen, der ähnlich wie Mobbing verläuft. Zuerst wählen die Schüler i. d. R. die sportlich fittesten (hier noch wettbewerbsorientiert) und dann die pummeligen (dicken) und die nicht mehr so sportlichen Schüler. Zu meiner Schulzeit war es normal, dass die Schüler die Wahl trafen und nicht die Lehrer. Es lief hier eine sog. Soziometrische Wahl ab. Und hier werden die zuletzt gewählten Schüler meist subtil diskriminiert. Die eher unsportlichen und dann die unbeliebten Schüler werden meist zuletzt gewählt und diese dann zuerst abgeworfen. Diesen Mechanismus durfte ich sowohl beobachten als auch am eigenen Leib erleben.

Trotz aller selbst erlebten Schikanen: Ja, das Spiel hat mir dennoch Spaß gemacht.

Aber ich finde es gut, wenn man sich dazu einfach Gedanken macht und die unbewusst dahinter ablaufenden Prozesse sich einmal vergegenwärtigt und sich bewusst macht. Ein hilfreicher Lösungsansatz dazu ist, dass die Lehrer ausgeglichene Teams festlegen und nicht aus diversen Gründen (Unwissenheit ist noch davon das Harmloseste) die Entscheidung den Schülern überlassen.

Ich finde etwas Reflektion dazu sehr sinnvoll, denn diese hilft, dass die Gesellschaft sich (hoffentlich) zum Positiven weiterentwickelt. Wenn auch Sie als Leser mitdiskutieren wollen, so freue ich mich auch auf Ihre Reaktionen.

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