Erste Hilfe für Mobbing-Betroffene

 

Wenn Sie die Vermutung haben, gemobbt zu werden, so stellt sich in der Regel als erstes die Frage was man in dieser Situation tun kann. Nachfolgend finden Sie einige Empfehlungen, was Sie tun können. Anschließend werden die einzelnen Punkte noch näher erläutert.


Was kann ich bei Mobbing tun?

Erste Hilfe

1. Wehren Sie sich frühzeitig!

2. Suchen Sie – falls möglich – Aussprache mit dem Täter oder der Täterin!

3. Suchen Sie nach der Konfliktursache und machen Sie Lösungsvorschläge! Zeigen Sie Kompromissbereitschaft!

4. Zeichnen Sie die Vorgänge auf:

  • Führen Sie ein Mobbing-Tagebuch
  • Fertigen Sie ein Tagesprotokoll über Ihre Arbeitsleistung an!

5. Sprechen Sie Kollegen und Kolleginnen an und suchen Sie Zeugen!

6. Nutzen Sie interne und externe Beratungs- und Hilfsangebote nutzen:

  • Rechtsberatung bei der Gewerkschaft
  • Betriebsrat, Personalrat oder Mitarbeitervertretung einschalten
  • Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen

7. Nehmen Sie sich eine Auszeit, z. B. Urlaub oder treten Sie eine Kur an!

 

Erläuterungen:

zu 1: Sich frühzeitig wehren ist ein Signal an die Täter, dass Sie nicht wehrlos sind. Desweiteren ist wird damit auch für Außenstehende und potentielle Mittäter ein kalter Konflikt offensichtlich. Ein Umstand der eine Basis für Unterstützer und Zeugen schaffen kann.

zu 2: Manchmal - nicht immer - ist es möglich eine Person als Täter auszumachen und direkt anzusprechen. Allein dieser Umstand kann Linderung oder Abhilfe schaffen. Speziell wenn die zuständige Führungskraft miteingebunden werden kann, kann hier frühzeitig ein Konflikt gelöst oder zumindest der Psychoterror beendet werden.

zu 3: Viele Mobbing-Vorfälle entstehen durch einen ungelösten Konflikt, der nicht offen ausgetragen wird. In diesem Fall versuchen Sie die Konfliktursache zu ermitteln und bieten Sie Lösungsvorschläge an! Soweit es sich nicht um sog. faule Kompromisse handelt, sollte ein Kompromiss, die verdeckte Auseinandersetzung beenden können. Sollten Sie jedoch erkannt haben, dass Mobbing gegenüber Mitarbeitern ein Teil der Unternehmensstrategie ist, sollten Sie eine gesunde Abwägung Ihrer Chancen und Risiken für den Verbleib an der bisherigen Arbeitsstelle abwägen.

zu 4: Aufzeichnungen sind Ihre juristische und psychologische Absicherung. Ein Mobbing-Tagebuch hilft Ihnen die Systematik der Vorfälle juristisch zu beweisen und sind als Gedächtnisstütze vor Gericht hilfreich. Zum anderen, helfen diese Ihnen diese verschiedene Vorfällle mit Betrachtung eines Außenstehenden korrekt einzuordnen.
Ein Protokoll Ihrer Arbeitsleistung kann gegenüber übertriebenen, falschen oder ungerechtfertigten Vorwürfen Ihres Vorgesetzten bzgl. Ihrer Arbeitsleitung helfen. Diese können auch im Rückblick nachweisen, dass Ihre Arbeitsleistung aufgrund dese Mobbings zurückgegangen ist.

zu 5: Das Ansprechen von Kolleginnen und Kollegen hat einen einfachen Hintergrund. Ersten schaffen Sie die Grundlage für Unterstützer, so dass nicht jedes Gerücht und jede Intrige greift. Zum anderen können diese auch als Zeugen dienen, wenn wieder ein Angriff gegen Sie gefahren wird. Darüber hinaus ist es immer gut mit stillen Beobachtern zu sprechen und diese in der Art zu fragen: "Hast du das mitbekommen?"oder "Wie beurteilst du diesen Vorfall?" oder "Würdest du das auch vor dem Chef bezeugen?" Auf diese Weise kann man Hinweise zum Nachweis erhalten und stille Unterstützer gewinnen.

zu 6: Bei Gewerkschaften oder Betriebsräten gibt es kompetente Personen, die das Problemfeld Mobbing gut kennen und kompetent beraten können. In der Regel finden Sie hier auch kostenlosen Rat. Auch Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen können hier weiterhelfen.
Gerade bei längerem Andauern des Psychoterrors kann auch die Krisenbegleitung durch qualifizierte Beratern wie Psychologen, Ärzte, Coaches oder Supervisoren hilfreich sein.

zu 7: Wenn nichts mehr geht, gehen aus dem "Schlachtfeld". Erstens ist dies Selbstschutz für Sie und zweitens haben Sie damit auch notwendige Zeit außerhalb des Arbeitsfeldes, um sich externe Hilfemöglichkeiten zu organisieren.
Es könnte möglicherweise auch ein "Zurückbehaltungsrecht" Ihrer Arbeitsleistung als Druckmittel gegenüber über Ihrem Arbeitgeber bestehen, um die Mobbing-Umstände zu beseitigen. Bevor Sie dieses oder ein ähnliches Rechtsmittel nutzen, nehmen Sie unbedingt(!) die Rechtsberatung eines Rechtsanwalts in Anspruch, da nur diese Sie hierzu verbindlich beraten können.